Archiv für September 2009

Aufgeschreckt durch die Ankündigung der Stade Tourismus-GmbH im Frühjahr 2009 ab Ottenbeck norddeutsche Inseln anzufliegen hat sich das OF der Thematik gründlich gewidmet.

Uns schien die Verschiebung der Landebahn, die uns in den Infogesprächen mit dem Bürgermeister Rieckhof angekündigt wurde plötzlich nicht mehr so harmlos. In ausführlichen Gesprächen mit Herrn Schröder-Doms, Herrn Jacobs, Herrn Scheven sowie Herrn Rieckhof erfuhren wir folgendes:

Status Flughafen Stade-Ottenbeck

  • Wir haben keinen Verkehrsflughafen sondern einen Sonderlandeplatz der Klasse 3.
  • Damit dürfen Flugzeuge bis 5 t starten und landen, wenn ausreichend Sicht besteht. Mehr Gewicht kann die Landebahn von der baulichen Stärke nicht verkraften.
  • Die Landebahn ist 600m lang und 15 m breit.
  • Die Flugbewegungen sind in der Anzahl nicht beschränkt und belaufen sich jährlich auf ca. 2500 Starts und Landungen.
  • Die Lärmemissionen dürfen für unser allgemeines Wohngebiet 55 Dezibel nicht überschreiten. Diese Stärke wird in der Nähe vom südlichen Neubaugebiet (Justus-Delbrück-Weg) bereits erreicht.

Geplante bauliche Veränderungen

  • Durch den geplanten Bau der K30 muss die Landebahn in östlicher Richtung „verschoben“ werden. Der Aufsetzpunkt für die Landungen aus östlicher Richtung liegt ca. 200 m westlicher d.h. in Richtung Ottenbeck ( Kurt-Tucholsky-Weg).
  • Die Landebahnen der Motorflieger und der Segelflieger werden zu dem Zweck miteinander verbunden, so dass die bisherigen 650 m auf 900 m verlängert werden. Mit 900 m Länge könnte die nächsthöhere Sonderlandeplatz Klasse 2 erreicht werden. Dazu ist aber auch eine Verbreiterung auf 23m erforderlich, die zwar in früheren Plänen angedacht und auch schon eingezeichnet war, zur Zeit aber nicht beabsichtigt ist.

Hypothese: Langfristige Mehrnutzung des Flughafens sowie Umklassifizierung

Wir haben uns bei anderen Flughäfen informiert, um Anforderungen, zeitliche Abläufe, Möglichkeiten der Einflußnahme und Einsprüche, etc. zu klären.

Die Landebahn in Ottenbeck bietet kaum Voraussetzungen für einen deutlich höherwertigen Ausbau:

  • Für schwerere Maschinen müsste die Landebahn komplett neu angelegt werden
  • die Änderung in einen Flughafen mit Instrumentenflug erfordern Tower, dessen Besatzung sowie umfangreiche bauliche Veränderungen
  • Durch das neue Gewerbegebiet im Süden des Landeplatzes stehen wenig Flächen für Infrastruktur zur Verfügung
  • die Nähe zu Ottenbeck, die u.a. durch ein Lärmschutzgutachten manifestiert wird, läßt einen deutlich erweiterten Flughafenbetrieb vermutlich nicht zu.
  • Die Renaturierung der Heidbeck westlich sowie die K30 östlich begrenzen einen Ausbau über 900 m hinaus.

Nach allen uns zur Verfügung stehenden Informationen, Äußerung der Stadt Stade sowie der politischen Parteien ist eine Änderung des bestehenden Status in einen „Flughafenbetrieb“ weder geplant noch wirtschaftlich sinnvoll.

Haltung der Stadt Stade und der politischen Parteien

Die Verwaltung der Stadt Stade haben uns in diesem Zusammenhang auch auf das im Süden entstehende Gewerbegebiet hingewiesen. Hier soll für Unternehmen die Möglichkeit bestehen, die Landebahn nutzen zu können, um „flugaffine“ Unternehmen anzusiedeln. Es ist wohlgemerkt nicht von einem ausufernden Flugbetrieb auszugehen.

Alle politischen Parteien teilen diese Haltung. Je nach politischer Ausrichtung werden dabei ökologische oder ökonomische Faktoren mehr oder weniger berücksichtigt. Alle politischen Parteien konnten glaubhaft versichern, einen Ausbau des Landeplatzes nicht zu planen. Wir bedanken uns bei allen politischen Parteien, für ihre Aufgeschlossenheit für unsere Interessenslage und die Bereitschaft, sich mit uns auseinander zu setzen.

Mitstreiter und Leidensgenossen

In Hagen gab es mögliche Betroffene eines (hypothetischen) Flughafenbetriebes. Nach einem kurzen Austausch der zugrundeliegenden Informationen können wir davon ausgehen, dass auch dort die Entwicklungen mit einem wachen Auge begleitet werden.

Sollte sich der Status der Landebahn jemals in Richtung Flughafenbetrieb ändern, haben wir genug Protestpotential, auch unterstützt durch die politischen Parteien, um hier entschlossen und nachhaltig aufzutreten.

Aber nochmals: derzeit ist davon nicht auszugehen, weil Niemand derartiges plant und auch kein Betreiber existiert.

Der Bebauungsplan zum Gebiet wird diese Tage im Rathaus ausgelegt. Die genauen Formulierungen werden wir sicher nochmals in Augenschein nehmen, gehen aber nicht von einer veränderten Sachlage aus.

Sonderthema: Touristische Nutzung der Landebahn

Die Stade Tourismus-GmbH hat mit den „Inselflügen“, also Direktflügen zu den norddeutschen Inseln aus Stade, einen Coup gelandet. Zumindest wurden nicht nur die Bürger, sondern auch alle politischen Parteien und städtischen Institutionen überrascht. Der Erfolg der Inselflüge rechtfertigt dieses Angebot offensichtlich. Die Flugbewegungen als solche sind formal innerhalb der bestehenden Genehmigungen nicht zu beanstanden. In einem Gespräch mit dem Leiter der Stade Tourismus-GmbH, Herrn Ahrens, wurden unsere Bedenken hinsichtlich des Lärmes diskutiert. Es wurde uns versichert, das ein Ausbau der Flugbewegung nur in einem überschaubaren Rahmen stattfindet und man im Sinne des touristischen Portfolios der Stadt Stade die Palette eben etwas erweitert hat. Flüge mit einer höheren Anzahl der Fluggäste und daraus notwendigeren größeren Flugzeugen scheitern an den oben beschriebenen Restriktionen des Landeplatzes. Wir brauchen keine Befürchtungen haben, daß sich hier ein Zustand analog Lübeck oder Uelzen einstellt.

In dem Sinne hoffen wir vom Vorstand und Beirat des Ottenbecker Forums allen Anwohnern und Anwohnerinnen Ottenbecks einen guten Dienst geleistet zu haben. Wir wünschen weiterhin viel Spaß mit dem Sportflughafenbetrieb, den wir kennen und ein paar Inselhoppern dazu!